Pressemitteilung:

Unternehmen sollten gute Kräfte halten...

Sonntag, 21. Dezember 2008

UnternehmensolltenguteKraeftehalten

Mittelständler: Job-Garantie kann es nicht geben, ebenso wie garantierten Umsatz


Das Zauberwort dieser Woche im Zeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise lautete "Jobgarantie". Ins Spiel gebracht hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Begriff. will im Januar alle Vorstandsvorsitzenden der 30 wichtigsten im Börsen-Leitindex Dax notierten Unternehmen zu einer Jobgarantie für 2009 auffordern. In einem Spitzengespräch kündigte Siemens-Chef Peter Löscher an. 2009 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Karlsruhe. In Karlsruhe sagte Gregor Wick, Bezirksvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT): "Wir Mittelständler leben und arbeiten mit unseren Beschäftigten und Auszubildenden. Wir kennen die Familien, die hinter ihnen stehen, kennen ihre Fähigkeiten, Einsatzfreude, aber auch ihren Kummer. Der Mittelstand wird alles tun, um die Krise zu bewältigen. Die Politik muss aber Spielräume lassen. Steuern und Abgaben treiben die Preise in die Höhe. Hier ist Entlastung dringend geboten. Lohnnebenkosten müssen runter, damit mehr netto vom Brutto bleibt. Und die (eis)kalte Einkommenssteuerprogression gehört endlich gestoppt." Hier verdiene der Staat bei jeder Lohnerhöhung doppelt, während bei den Beschäftigten nur wenig ankomme. Da wird also Leistung bestraft und nicht belohnt.

"Jedes Unternehmen wird alles versuchen, seine vorhandenen Fachkräfte zu halten. Sie sind die Voraussetzung für weiteres Wachstum", ordnet IHK-Präsident Bernd Bechtold das Thema ein. Bechtold weiter: "Unabhängig von der jeweiligen Konjunkturlage ist und bleibt der Fachkräftemangel die zentrale Herausforderung für die regionale Wirtschaft zwischen Bühl und Bruchsal und damit auch für die IHK Karlsruhe. In der aktuellen Situation sollte die Politik über eine Senkung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte nachdenken, zumindest für ein Jahr. Dies würde sofort spürbare Effekte zeigen. Mittel- und langfristig liegt das beste Konjunkturprogramm in höheren Investitionen für Bildung und Verkehrsinfrastruktur."

Karlsruhes Wirtschaftsbürgermeisterin Margret Mergen hat bereits deutliche Signale über einbrechende Auftragslagen bei den Unternehmen der Fächerstadt erhalten. Eine Jobgarantie zu verlangen, hält Mergen für sehr weitreichend. "Ich habe schon immer empfohlen, gut zu überlegen, Mitarbeiter zu entlassen, denn nach aller Erfahrung haben Unternehmen später Mühe, qualifizierte Mitarbeiter wiederzubekommen. Somit empfiehlt es sich, bewährte Kräfte zu halten". Mergen verweist außerdem auf das so genannte Sabbat-Jahr, das auch die Stadt Karlsruhe anbietet: Mitarbeiter erhalten drei Jahre 75 Prozent des Lohns, um im vierten Jahr bei ebenfalls 75 Prozent zu pausieren - freilich ein Modell, das für kleine Mittelständler nicht praktikabel ist. Als weitere Möglichkeit gebe es die Kurzarbeit, wie sie Automobilhersteller derzeit ja schon praktizieren.

Mergen nimmt derweil bei aller Schwarzmalerei über die wirtschaftliche Zukunft das offenbar ungebrochene Konsumverhalten zur Kenntnis, wie es die Händler aus dem laufen Weihnachtsgeschäft melden. Dennoch: "Für die augenblickliche Lage gibt es nichts schön zu reden, aber 50 Prozent ist immer auch Psychologie." "Schwarzmalerei - nein danke!", sagt auch MIT-Mann Wick und ergänzt: "Der Mittelstand denkt stets an morgen und übermorgen. Glücklich ist, wer eine gute Eigenkapitalausstattung hat. Eine Job-Garantie kann es aber nicht geben, so wie es auch eine Umsatz-Garantie oder eine Gesundheits-Garantie nicht geben kann."

(Quelle: Boulevard Aktuell, Bert Langbehn)

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